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Neun bunte Quadrate auf einem roten Hintergrund.

Offizieller Studienführer für Deutschland

Farbige Kreide auf einer Tafel.
Die Studienwege zum Lehramt unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland in Details. Das Ziel ist aber das gleiche: Die Arbeit an der Tafel vor einer Klasse. Foto: Martin Rehm

Mit Leidenschaft Fachwissen vermitteln Lehrer/-in werden

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Stephan Grohnert (22) studiert an der Universität Augsburg Lehramt auf Gymnasium. Seine Fächerwahl: Englisch und Sozialkunde. „Mit den älteren Schülern kann man schon eine Menge auf Englisch reden und in Sozialkunde viel diskutieren“, freut er sich. Der angehende Lehrer interessiert sich selbst sehr für Politik, und kann „in Sozialkunde auf zwischenmenschliche Beziehungen eingehen und gesellschaftliche Grundwerte vermitteln.“ Aber nicht allein das fachliche Interesse drängt Stephan Grohnert zum Lehramt: „Als Lehrer habe ich die Aufgabe, die Schüler auf das Leben vorzubereiten und kann sie in ihrer Entwicklung ein Stück begleiten.“

Das Studium des Fachs Englisch basiert auf den Säulen Englischdidaktik, Sprach- und Literaturwissenschaften sowie Sprachpraxis. Sozialkunde beinhaltet Veranstaltungen zu Politikdidaktik, Politikwissenschaften und Soziologie. Einen großen Teil des Studiums stellen außerdem die Erziehungswissenschaften dar: „Ich belege Module in Psychologie, Schulpädagogik und allgemeiner Pädagogik“, berichtet der Augsburger.

Liebe zum Fach und Freude an der Vermittlung

Foto von Stephan Grohnert.

Stephan Grohnert

Foto: Privat

Verschiedene Praktika gehören ebenfalls zum Studium. „Im kommenden Semester werde ich für ein Auslandssemester nach Alaska gehen und als ‚Assistant Teacher‘ an einer Schule arbeiten. Das kann ich mir als pädagogisch-didaktisches Praktikum anrechnen lassen“, erzählt er.

Für Stephan Grohnert war klar, dass er Schüler(inne)n Englisch und Sozialkunde beibringen möchte. Wer Lehrer/-in werden möchte, aber noch nicht weiß, welches Fach er oder sie unterrichten will, dem empfiehlt Prof.-Dr. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, nach dem eigenen Interesse vorzugehen und nicht nach dem, was zurzeit gefragt ist. Denn in einem Fach, in dem aktuell Lehrkräfte gesucht werden, kann in sechs Jahren die Konkurrenzsituation eine ganz andere sein.

Unterschiede zwischen den Bundesländern

Studieninteressierte müssen sich aber nicht nur für eine Fächerkombination, sondern auch für ein Bundesland entscheiden.

„In etwa der Hälfte der Bundesländer wird das Lehramtsstudium in Form von Bachelor- und Masterstudiengängen angeboten, in den anderen Ländern ist der Abschluss das Staatsexamen“, erklärt Susanne Lin-Klitzing. In allen Bundesländern ist das Studium modularisiert, sodass ein Wechsel von einem Bundesland in ein anders in der Regel zwar nicht immer ganz einfach, zumindest aber möglich ist – sowohl während des Studiums als auch danach (weitere Infos dazu in den FAQs).

Ausführliche Infos zu den Besonderheiten der Lehramtsstudiengänge finden Sie auf studienwahl.de im Studienfeld „Lehrämter“.

Foto von Susanne Lin-Klitzing.

Prof.-Dr. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes

Foto: Privat

Hat das Studium ein Staatsexamen als Abschluss, sind Studierende auf das Lehramt festgelegt. Anders ist das meist bei den Bachelorstudiengängen. Diese werden zum Beispiel mit Lehramtsoption oder polyvalent angeboten. Das heißt, dass sich die Studierenden erst mit dem Master endgültig auf das Lehramt festlegen. „Der Grundgedanke der ‚Polyvalenz‘ ist, dass sich die Studierenden verschiedene Optionen offen halten“, erklärt Susanne Lin-Klitzing: „Im Bachelor wird ein Grundstock vermittelt und erst mit dem Master müssen sich die Studierenden auf das Lehramt festlegen – oder sie wählen einen ganz anderen Berufszweig.“

Immer zu Beginn des Studiums erfolgt die Entscheidung für eine Schulart: Möglich sind zum Beispiel Grund- und Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien oder berufsbildende Schulen. In den Bundesländern gibt es allerdings unterschiedliche Schulformen. So bietet Berlin die Auswahl zwischen Grundschulen, Integrierten Sekundarschulen und Gymnasien sowie beruflichen Schulen. In anderen Bundesländern wie Bayern kommen etwa noch Realschulen und Mittelschulen dazu.

Theoretische und praktische Ausbildung

Der inhaltliche Aufbau der Lehramtsstudiengänge ist grundsätzlich in allen Bundesländern gleich. „Der größte Teil des Studiums besteht aus den Fachwissenschaften“, erklärt Susanne Lin-Klitzing. „In der Regel werden zwei Fächer studiert, hinzu kommen Fachdidaktik und Pädagogik oder Psychologie.“ In der Fachdidaktik lernen die Lehramtsstudierenden, wie die Inhalte in der jeweiligen Entwicklungsphase der Schüler/-innen unterrichtet werden sollen. Je nach Schultyp sind die Anteile von Fachstudien, Fachdidaktik und Pädagogik unterschiedlich gewichtet.

Die zweite wichtige Phase der Ausbildung ist der praktische Teil, Vorbereitungsdienst oder auch Referendariat genannt. Dieser dauert je nach Bundesland zwischen 18 und 24 Monaten.

Welche Berufsaussichten die Studierenden nach dem Studium haben, ist eng mit der Auswahl der Fächer, des Bundeslandes und des Schultyps verbunden. Laut Lehrerbedarfsprognose der Kultusministerkonferenz hängt der Bedarf nämlich genau von diesen Faktoren ab. So werden zum Beispiel gerade an beruflichen Schulen bundesweit Lehrer/-innen gesucht (siehe Reportage „Vom Koch zum passionierten Berufsschullehrer“), in den neuen Bundesländern besteht ein erhöhter Bedarf über fast alle Schulformen hinweg und wer ein MINT-Fach (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) studiert, hat deutschlandweit gute Chancen. „Diese Fächer sind grundsätzlich immer nachgefragt, aber auch sehr anspruchsvoll. Wer Freude und Interesse an diesen Fächern hat, kann perspektivisch sicher eine Stelle bekommen“, ist sich Susanne Lin-Klitzing sicher.

Interview

Traumberuf Lehrer?

Christina Westermann, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Berlin Süd, erklärt im Interview, was zukünftige Lehrer/-innen mitbringen müssen, und wie man herausfindet, ob das Lehramtsstudium das Richtige für einen ist.

studienwahl.de: Frau Westermann, welche Einstellung sollte jemand haben, der Lehrer/-in werden möchte?

Foto von Christina Westermann.

Christina Westermann, Berufsberaterin bei der Agentur für Arbeit Berlin Süd

Foto: Privat

Christina Westermann: Sie oder er sollte den Wunsch haben, den ganzen Tag mit Kindern und Jugendlichen zusammen zu sein. Zudem spielt das Bedürfnis, Inhalte und Werte an Kinder und Jugendliche zu vermitteln, eine große Rolle.

studienwahl.de: Und welche Eigenschaften müssen Studieninteressierte mitbringen?

Christina Westermann: Wichtige Eigenschaften sind Extrovertiertheit, Kontaktfreudigkeit und Offenheit für die unterschiedlichsten Menschen. Nur so findet jemand tatsächlich Kontakt zu den Schüler(inne)n, die aus verschiedenen Familien und Strukturen kommen und ganz eigene, vielfältige Persönlichkeiten mitbringen.  Für den Lehrberuf sind außerdem Sensibilität und Empathie wichtig: Lehrkräfte müssen sich in die Kinder und Eltern hineinversetzen können. Urteils- und Reflexionsvermögen – auch sich selbst gegenüber – sind vonnöten. Denn Lehrer/-innen sollten auch ihr eigenes Verhalten und ihre Methoden reflektieren können.

studienwahl.de: Welche Fähigkeiten sind sonst noch wichtig?

Christina Westermann: Sie müssen vermitteln können, und zwar nicht nur den Unterrichtsstoff, sondern auch zwischen Schüler(inne)n und anderen Lehrer(inne)n oder zwischen Schüler(inne)n und Eltern. Lehrer/-innen sind sehr auf sich gestellt. Sie müssen ihre Arbeit selbst strukturieren, wenn sie den Unterricht vorbereiten oder Klassenarbeiten korrigieren. Da ist Selbstdisziplin gefordert. Diese Eigenorganisation ist bereits im Studium wichtig. Die Hauptfächer werden meist an zwei Fachbereichen studiert und die Erziehungswissenschaften an einem dritten. Das zu koordinieren, ist oft nicht leicht.

studienwahl.de: Sollten Studieninteressierte nach dem Abitur so schnell wie möglich an die Uni?

Christina Westermann: Ich rate dazu, praktische Erfahrungen im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu sammeln. Das kann z.B. direkt nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Jugendeinrichtung sein. Dort können sie feststellen, ob sie einen Draht zu Kindern bekommen und wie belastbar sie sind.

studienwahl.de: Gibt es auch Tests, mit denen man seine Eignung für den Beruf überprüfen kann?

Christina Westermann: Es gibt zwei sehr gute Online-Tests. Das „Career Counseling for Teachers“ (www.cct-germany.de) bietet ein Selbsterkundungs-Verfahren, mit dem überprüft werden kann, ob man aufgrund seiner Persönlichkeit und seinen Fähigkeiten für den Lehrerberuf geeignet ist. (Anmerkung der Redaktion: Dieser Test ist in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Voraussetzung für die Studienzulassung.) Auch die Ludwig-Maximilians-Universität in München bietet einen Selbsterkundungs-Test an (www.self.mzl.lmu.de). Interessierte können kurze Filme anschauen und Fragen beantworten. Anschließend bekommen sie ein Feedback zu ihrer Eignung.

Studienreportage

Vom Koch zum passionierten Berufsschullehrer

Dominik Kron (27) studiert den Bachelorstudiengang „Betriebliche und Berufliche Bildung“ an der Universität Gießen. Er freut sich auf den Lehrerberuf und findet, dass er damit eine sinnvolle Aufgabe für die Gesellschaft ausüben kann.

Foto von Dominik Kron.

Dominik Kron

Foto: Privat

Der Weg zum Studium war für Dominik Kron kein direkter: Im Anschluss an den Realschulabschluss und eine Lehre als Koch erwarb er die Fachhochschulreife. Danach arbeitete er ein Jahr lang in der Lebensmittelindustrie. „Aber mit der Fachhochschulreife stand mir auch der Weg zu einem Studium offen“, erzählt er. „Für mich war klar, dass ich Berufsschullehrer werden wollte. Der Lehrerberuf ist eine tolle Aufgabe, durch die ich einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen kann.“

Dominik Krons Hauptfach ist „Hauswirtschaft und Ernährung“. Neben den Grundlagenfächern Soziologie, Politikwissenschaften und Psychologie, die für alle zukünftigen Lehrer/-innen verpflichtend sind, musste er außerdem aus allgemeinbildenden Fächern eines auswählen. „Ich habe mich für Politik und Wirtschaft entschieden“, erklärt er. Der dritte große Theoriekomplex ist die Fachdidaktik, also die Arbeits-, Berufs- und Wirtschaftspädagogik. Hier werden theoretische und praktische Grundlagen sowie Methoden der beruflichen und betrieblichen Bildung vermittelt.

Praxis ist Pflicht

„Pro Modul kann man in der Regel mit sechs Creditpoints rechnen, für Fachpraktika gibt es manchmal zwölf“, erzählt Dominik Kron. „Um also auf die 180 Creditpoints für den Bachelor zu kommen, muss man ziemlich viele Module belegen.“

Auch Praxiseinheiten gehören zu den Pflichtmodulen des Lehramtsstudiums: „Weil ich eine Berufsausbildung hatte, bleibt mir das Betriebspraktikum von acht Wochen erspart“, sagt Dominik Kron. „Fachpraktika von fünf Wochen gehören jedoch zu meinem Bachelorstudium und später auch zum Masterstudium.“

Engagement verlängert die Studiendauer

Sein Interesse für die Strukturen und die Politik der Hochschule führte den ehemaligen Koch in die Fachschaftsarbeit und in andere Gremien der Hochschule. Die Regelstudienzeit kann er so allerdings nicht einhalten, momentan befindet er sich im zehnten Semester. „Aber die Strukturen staatlicher Institutionen kennen zu lernen, wird mir bei meiner Tätigkeit als Lehrer sicherlich nützlich sein“, vermutet er.

Dominik Kron schreibt mittlerweile an seiner Bachelorarbeit und beginnt im Herbst mit dem viersemestrigen Masterstudiengang. Auf diesem folgt, wie auch beim Lehramt an allgemeinbildenden Schulen, der Vorbereitungsdienst – und dann sollte seiner Verbeamtung nichts mehr im Wege stehen.

FAQ

Wie stehen meine Chancen als Lehrer/-in?

Gerade wenn es um den Wechsel von einem Bundesland in ein anderes und die Berufsaussichten nach dem Studium geht, tauchen immer wieder Fragen bei Studieninteressierte und Studierenden auf. Hier sind die wichtigsten Antworten.

Was sind Bedarfsprognosen und was gibt es dabei zu beachten?

Die Kultusministerkonferenz und auch die einzelnen Bundesländer berechnen den Bedarf an Lehrkräften alle paar Jahre neu. Diese Bedarfsprognosen werden für einen längeren Zeitraum veröffentlicht. Wer sich also jetzt aufgrund der Bedarfsprognose für ein bestimmtes Fach entscheidet, der stellt am Ende seines Studiums möglicherweise fest, dass es mehr Absolvent(inn)en als Stellen für dieses Fach gibt. Expert(inn)en empfehlen auch aus diesem Grund, seinen Neigungen und Interessen nachzugehen und nicht (ausschließlich) Prognosen zu folgen.

Wird mein Abschluss in anderen Bundesländern anerkannt?

Ja. Die Bundesländer erkennen gegenseitig die Abschlüsse an. Es ist also theoretisch möglich, im Laufe seiner Karriere das Bundesland zu wechseln. Man muss allerdings beachten, dass nicht überall die gleichen Konditionen bestehen. So sind die Berliner Lehrer/-innen zum Beispiel nicht verbeamtet.

Kann ich auch schon während des Studiums das Bundesland wechseln?

Grundsätzlich ja. Der Wechsel gestaltet sich aber meist nicht ganz unkompliziert, da es jeweils länderspezifische Regelungen gibt. In allen Bundesländern ist das Studium modularisiert, und wenn es keine großen Unterschiede zwischen den Studiengängen gibt, werden Studienleistungen in der Regel auch angerechnet. Die Hochschule, an die man wechseln möchte, entscheidet aber letztendlich über die Anerkennung der Leistungen. Besonders schwierig wird es dann, wenn man von einem Bundesland mit Staatsexamen in eines mit Bachelor-/Master-System wechseln möchte. Dabei ist nämlich nur ein Wechsel in den Bachelorstudiengang möglich, egal wie weit fortgeschritten das Studium schon ist. Es ist deshalb eher zu empfehlen, erst nach dem Vorbereitungsdienst das Bundesland zu wechseln.

Wie sieht der Arbeitsmarkt für Lehrer/-innen aus?

Laut dem „Arbeitsmarktbericht Akademikerinnen und Akademiker“ (Mai 2018) der Bundesagentur für Arbeit hat sich der Arbeitsmarkt für Lehrkräfte im Jahr 2017 positiv entwickelt. Die Arbeitslosenzahlen sind niedrig, und es gibt eine hohe Nachfrage nach Lehrer/-innen. Diese hängt allerdings, wie etwa die Bedarfsprognosen zeigen, von einigen Faktoren ab, etwa der Fach- oder Schulartwahl.

Weitere Informationen

studienwahl.de
Studienfeld Lehrämter
www.studienwahl.de/de/studieren/studienfelder/lehraemter0222.htm

abi.de
was studieren? > Lehramt
www.abi.de/studium/studiengaenge/lehramt.htm

Bundesminsterium für Bildung und Forschung
www.bmbf.de

Deutscher Lehrerverband (DL)
www.lehrerverband.de

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
www.gew.de

Verband Bildung und Erziehung e.V.
www.vbe.de

Deutscher Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung e.V.
www.lehrerfortbildung.de

Übersicht über alle Lehrerverbände
www.bildungsserver.de/Lehrerverbaende-und-Gewerkschaften-666.html

Career Counseling for Teachers
www.cct-germany.de

Selbsterkundung zum Lehrerberuf mit Filmimpulsen
www.self.mzl.lmu.de

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